Stipendien sind Vertrauenssache!

Stipendien gibt es viele in Deutschland. Doch welches passt zu mir, welche Voraussetzungen muss ich erfüllen und welche Betreuung gibt es während der Förderung? Um solche und andere Fragen zu klären und Hilfestellungen geben zu können, gibt es an vielen Hochschulen Vertrauensdozenten der jeweiligen Stiftungen. An der FH Kiel hat diese Position Prof. Dr. habil. Gerhard Kockläuner vom Fachbereich Wirtschaft inne. Er ist seit 25 Jahren Vertrauensdozent für die Hans-Böckler-Stiftung und seit über zehn Jahren auch für die Heinrich-Böll-Stiftung tätig.

Als Vertrauensdozent führt Prof. Kockläuner mit den Bewerberinnen und Bewerbern, die als fördergeeignet angesehen werden, ein persönliches Gespräch als Teil des Auswahlprozesses. In diesem Gespräch geht es um die Biografie der Bewerberin oder des Bewerbers und um die Motivation für die Bewerbung im Hinblick auf das Leitbild der jeweiligen Stiftung. Auf dieser Grundlage erstellt er ein Gutachten, in dem er sich auch zum Entwicklungspotenzial der Bewerberinnen und Bewerbern äußern muss. Zudem repräsentiert Prof. Kockläuner als Vertrauensdozent die Stiftungen und deren Inhalte und betreut die regionalen Stipendiatinnen und Stipendiaten fachbereichsübergreifend.

Die beiden von Prof. Kockläuner betreuten Stiftungen zählen zu den Begabtenförderungswerken und fördern sowohl Studierende als auch Promovierende aller Fachrichtungen an Universitäten und Fachhochschulen. Entscheidend für die Förderzusage ist neben guten bis hervorragenden Schul- und Studienleistungen vor allem das gewerkschaftliche oder gesellschaftspolitische Engagement der Bewerberinnen und Bewerber. Die Förderung an sich ist im Rahmen der Begabtenförderungswerke einheitlich. Sie richtet sich nach dem BAföG-Anspruch der Stipendiatinnen und Stipendiaten, wird aber als voller Zuschuss ohne spätere Rückzahlung ausgezahlt. Hinzu kommt eine „ideelle“ Förderung, die mit 300 € pro Monat zusätzlich gefördert wird und sich aus dem Angebot der jeweiligen Stiftung ergibt. Dazu zählen z.B. Seminarangebote oder Praktika, wobei die Vernetzung der Studierenden mit Unternehmen, Organisationen oder Politikern im Vordergrund steht.

Doch auf der Förderzusage können sich die Studierenden keineswegs ausruhen. So müssen sie Semesterberichte anfertigen, die einen Nachweis über den Studienerfolg und ein fortbestehendes gesellschafspolitisches Engagement während des Studiums liefern. Denn: „Das Engagement sollte ein Lebensinteresse sein, das man auch während des Studiums weiter verfolgt“, so Prof. Kockläuner. An der FH Kiel haben daher von der Böckler-Stiftung geförderte Studierende eine studentische Hochschulgruppe des deutschen Gewerkschaftsbundes gegründet. Zudem wird eine Förderzusage für maximal drei Semester vergeben. Über eine weitere Förderung entscheidet dann ein erneutes Auswahlgespräch mit dem Vertrauensdozenten oder wiederum ein Auswahlverfahren durch die Stiftung.

Die Hans-Böckler-Stiftung (HBS) ist die Gewerkschafts-nahe Stiftung und fördert vor allem den zweiten Bildungsweg. Mit über 2.200 Stipendiatinnen und Stipendiaten, zurzeit etwa 25 davon in Schleswig-Holstein, ist die Hans-Böckler-Stiftung das zweitgrößte Studienförderwerk Deutschlands. Ziel der Stiftung ist es, Chancengleichheit beim Zugang zu Hochschulbildung und Arbeitsmarkt unabhängig von der sozialen Herkunft zu bieten. Potenzielle Bewerberinnen und Bewerber sollten sich daher vor der Bewerbung mit dem Konzept einer Gewerkschaft auseinander gesetzt und sich beispielsweise in der Ausbildungsvertretung des Betriebes engagiert haben. Weitere Informationen über die Hans-Böckler-Stiftung gibt es unter www.boeckler.de/20.htm.

Die Heinrich-Böll-Stiftung (hbs) hingegen steht der Grünen Partei nahe und hat sich in ihrem Leitbild der Ökologie und Nachhaltigkeit, der Demokratie und den Menschenrechten und der Selbstbestimmung und Gerechtigkeit verschrieben. Für eine Bewerbung ist es zwar nicht notwendig, Parteimitglied zu sein, ein großes gesellschaftspolitisches Interesse und Engagement sollten die Bewerberinnen und Bewerbern aber mitbringen. Dazu zählt etwa die Mitarbeit in der Fachschaft, die Tätigkeit als Schulsprecherin oder Schulsprecher, die Leitung internationaler Jugendcamps, das Engagement bei der Grünen Jugend oder auch ein freiwilliges ökologisches Jahr. Genauer informiert die Heinrich-Böll-Stiftung unter www.boell.de/de/stiftung/stipendien.

Auch der Weg zum Vertrauensdozenten führt über ein gesellschaftspolitisches Interesse. Prof. Kockläuner selbst betreibt seit vielen Jahren bundesweite Hochschulpolitik für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und für die Grüne Partei. Aufgrund dieses Engagements wurde er daher als Vertrauensdozent der Hans-Böckler-Stiftung vorgeschlagen. Prof. Kockläuner: „Und nachdem ich so lange auch Hochschulpolitik für die Grüne Partei betrieben hatte, dachte ich mir, dass ich auch Vertrauensdozent der Böll-Stiftung werden sollte.“